Leserbriefe



Andreas Salomon 11.6.2013


Leserbrief zur Bekanntgabe des Kultusministeriums in Bezug auf die Lehrereinstellung

Keine Einsparung bei den Lehrerstellen!

Der Rosenheimer Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft wendet sich entschieden gegen die neuerlichen Sparmaßnahmen des bayerischen Kultusministeriums.

Mehr als 600 erfolgreich ausgebildete junge Gymnasiallehrerinnen und Gymnasiallehrer, die dringend an den Schulen gebraucht werden, lässt das Ministerium auf der Straße stehen. Dabei sind sogar Bewerber, die mit "sehr gut" abgeschlossen haben.

Weiterhin werden 832 Planstellen für Lehrerinnen und Lehrer in Folge des Schülerrückgangs gestrichen. Hier trifft es vor allem die Grund- und Mittelschullehrer.

Aber gerade diese Junglehrerinnen und Junglehrer werden an den Schulen dringend gebraucht. Nur mit ihrer Hilfe kann der Unterrichtsausfall abgebaut werden. Nur mit mehr Lehrern lässt sich der Unterricht individualisieren, kann also jedem Kind gezielt geholfen werden. Geeignete Fördermaßnahmen darüber hinaus für schwache Schüler sind ebenfalls dringend erforderlich. Auch gute Ganztagsschulen haben einen hohen Lehrerbedarf. Und wie soll der steigende Bedarf bei der Sprachförderung ausländischer Schüler gedeckt werden? Und besonders wichtig ist die Verpflichtung der Staatsregierung zu realisieren, ein inklusives Schulsystem aufzubauen. Das geht nur mit deutlich mehr Lehrern, als bisher eingestellt sind.

Die Entscheidungen des Kultusministeriums gehen an den gesellschaftlichen Notwendigkeiten vorbei und müssen dringend revidiert werden.


Flüchtlinge - Verdammte dieser Erde

Weltweit sind Millionen von Menschen auf der Flucht. Hunger und Elend und ein Leben ohne Zukunft bestimmen ihr Dasein. Schreckliche Kriege bedrohen ihr Leben und entziehen ihnen die letzten Lebensgrundlagen. Und jetzt kommen zunehmend die Auswirkungen der Klimakatastrophe dazu. Ganze Landstriche werden unbewohnbar und die Naturkatastrophen nehmen deutlich an Heftigkeit zu, wie jetzt auf den Philippinen sichtbar wurde.

Aber vor allem ist es die weltweite Globalisierung, die an Ressourcen und Märkten z.B. des afrikanischen Kontinents Interesse hat, nicht aber an den Menschen. Der relative Reichtum der Industrieländer beruht auf der Ausbeutung der unterentwickelt gehaltenen Länder.

Und jetzt machen sich immer mehr Flüchtlinge auf den Weg in ein besseres Leben. Ihre letzte Hoffnung ist die lebensgefährliche Flucht z.B. nach Europa. Tausende ertrinken dabei unbemerkt. Stürzt ein Flugzeug mit Europäern ab, ist die Aufmerksamkeit der Medien groß. Aber der ständige Tod im Meer gerät nur in die Schlagzeilen, wenn einmal mehrere Hundert ertrinken.

Hilflosigkeit und das Schüren von Ängsten sind die Konzepte unserer Politiker. Bayerns Innenminister fordert "ein hartes Vorgehen der Behörden". Die Mühldorfer Justizvollzugs- anstalt wird zum Abschiebeknast. Selbst von den Kirchen ist kein Aufschrei zu vernehmen. Was sind wir für Menschen?

Bringen wir unseren Kindern nicht bei, Menschen in Not zu helfen? Lernen wir nicht, dass Menschen Brüder und Schwestern sind? Was ich sehe, ist nackter Egoismus. Wir feiern mit den Kindern den Martinstag, aber unseren eigenen Mantel zu teilen, sind wir nicht bereit. Wir sind die Kinder unserer Gesellschaft, in der das Haben mehr zählt als das Sein, in der der eine auf Kosten des anderen lebt. Wir sind Heuchler, wenn wir unsere Hände in Unschuld waschen, denn auch wir profitieren von der Armut der anderen. Und vor allem - wir dulden, dass alles so ist, wie es ist. Und Weihnachten beten wir für die Hungernden.

Wenn wir die globalen Zusammenhänge nicht reflektieren, nicht verstehen, warum immer mehr Menschen auf der Welt auf die Straßen gehen und immer mehr aus ihrer Heimat flüchten müssen und wenn wir nicht bereit sind, über nötige gesellschaftliche Veränderungen nachzudenken, dann bleibt uns wirklich nur noch, Europa zur Festung auszubauen, Todesstreifen zu ziehen und Flüchtlingsboote zu bombardieren. Aber auch das wird nur kurzfristig helfen.


Überschwemmungen durch Hochwasser müssten nicht sein!

Verzweiflung und Angst stehen vielen der vom Hochwasser Betroffenen ins Gesicht geschrieben. Alle Habe verloren, ein Lebenswerk zerstört, oft nur das nackte Leben gerettet und eine ungewisse Zukunft vor sich.

Das wirft die Frage nach den Ursachen auf und damit die Frage, ob in einem hochtechnisierten, vergleichsweise reichen Industrieland derartige Überschwemmungen durch Hochwasser unvermeidlich sind.

Die Auswirkungen der vom Menschen verursachten Klimaerwärmung sind seit mindestens zwei Jahrzehnten bekannt und die verantwortlichen Politiker wissen ganz genau, dass nicht nur eine Zunahme von Naturkatastrophen damit verbunden ist, sondern auch eine erhebliche Intensivierung dieser. Das lässt sich seit langem weltweit beobachten und wurde auch in Deutschland nur zu deutlich in den letzten Jahren spürbar.

Was nun Überschwemmungen in Deutschland anbelangt, so erleben wir sie in immer kürzeren Abständen mit immer höheren Pegelständen. Die Regenwasser fallen auf versiegelte Böden, können kaum noch von Auwäldern aufgesogen werden, da diese weitgehend längst vernichtet sind, finden nicht genügend Auffangbecken vor und müssen in begradigten Flussläufen durch viel zu eng bebaute Gebiete fließen.

Die für den Hochwasserschutz verantwortlichen Politiker haben kläglich versagt. Sie haben den Ernst der Lage nicht rechtzeitig erkannt oder wahrhaben wollen, ließen wertvolle Zeit verstreichen und geplante Maßnahmen nach der großen Flut von 2002 im Dschungel ihrer Bürokratie versacken. Die Jahrhundertflut habe man ja bereits hinter sich, scheinen manche gedacht zu haben.

Jetzt Mitgefühl und Betroffenheit zu äußern, mag ehrlich gemeint sein, wirkt aber angesichts dieser Fakten wenig überzeugend und wird von vielen sicher als Heuchelei wahrgenommen. Es ist das alte Lied, dass immer erst eine Katastrophe geschehen muss, bis effektiv gehandelt wird.

Wir brauchen aber nicht nur sehr schnell einen wirksamen Hochwasserschutz, sondern auch eine völlig andere, eine alternative Energiepolitik, die zu einer drastischen Reduktion der Freisetzung von Kohlendioxid führt. Sonst werden die Folgen der Klimaerwärmung nicht mehr beherrschbar sein.


Sitzenbleiben abschaffen!

Über dem Eingang einer finnischen Schule fanden Besucher den Satz: "Kein Kind darf verloren gehen." In unserem nordischen Nachbarland gibt es kein Sitzenbleiben mehr und die PISA-Sieger fahren sehr gut damit. Auch in Deutschland reift zunehmend die Einsicht, das Sitzenbleiben abzuschaffen.

Der Leistungsabfall eines Schülers - oft in der Pubertät - hat in aller Regel erkennbare Ursachen. Frühzeitig muss in jedem Einzelfall Klärung erfolgen und frühzeitige Hilfe organisiert werden. Eltern, Lehrer und auch die Schüler selbst sind gefragt zu handeln. Meist sind es ja nur wenige Fächer, in denen Probleme auftreten. In Finnland wird den betroffenen Schülern in Kleingruppen kostenlose Nachhilfe angeboten. Manchmal lockern sich aber Lernblockaden schon, wenn häusliche Probleme, die die Kinder belasten, eine Lösung erfahren oder durch persönliche Zuwendung der Lehrkräfte begehbare Wege gefunden werden. In Einzelfällen kann auch ärztliche Hilfe sinnvoll sein bzw, die Unterstützung durch Psychologen und Therapeuten. Schüler sitzenbleiben zu lassen ist eine pädagogische Bankrotterklärung. Diese Maßnahme ist Ausdruck des Unvermögens, dem betroffenen Kind rechtzeitig geholfen zu haben. Allein schon die Gefahr des Sitzenbleibens am Ende des Schuljahres produziert unnötige Ängste, die den Leistungsabfall noch verstärken. Zu Hause gibt es bei jeder neuen schlechten Note dann auch noch Zank und Streit, Strafen werden verhängt und unbeschadet davon nimmt die drohende Katastrophe ihren Lauf, ja nimmt durch den Stress zu Hause erst richtig an Fahrt auf.

Schüler sitzenbleiben zu lassen ist eine teure disziplinarische bildungspolitische Maßnahme des Staates, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Pädagogisch sinnvoll ist diese Vorgehensweise nicht und human schon gar nicht. Das bayerische Schulsystem ist auf Aussortierung und Abstieg programmiert, auch wenn immer wieder das Gegenteil behauptet wird. Sinnvoll wäre es aber, niemanden zurückzulassen, niemanden zu demütigen und zu kränken und keinen zu zwingen, ein Jahr wiederholen zu müssen.


Andreas Salomon 12.1.13

Elisabeth - Block - Schule

Zurecht mahnt der Artikel über die jüdische Familie Block an, die Erinnerung an deren Schicksal wachzuhalten. Die Verfasserin legt den Akzent auf die gute Integration der Blocks in Niedernburg und unterstreicht, dass sie dank der Unterstützung durch Mitbürger ein "den Umständen entsprechend beschauliches Leben führen konnten." Ob dem wirklich so war, ist heute kaum noch nachzuprüfen, zumal die Zeitzeugen verstorben sind.

Die "Umstände", von denen gesprochen wird, machen es allerdings unvorstellbar, hier noch von "Beschaulichkeit" zu sprechen. Auch wenn Lisi in ihren Tagebüchern die schrecklichen Beschränkungen der Juden meist nur am Rande aufblitzen lässt, muss doch festgehalten werden, wie das Leben der Blocks immer mehr eingeengt wurde, bis es schließlich zur Deportation und Vernichtung kam.

Am 3. 12 1938 wurden den Juden die Führerscheine und Kraftfahrzeuge weggenommen. Am 16.2.1939 wurde die bevorstehende Zwangssterilisation von Friedrich Block (Lisis Vater) mitgeteilt. Kurz darauf, am 31.5.1939 musste die Familie Block ihr Haus zum lächerlichen Preis von 10.000 Reichsmark verkaufen. Mit dem damit verbundenen Zwangsverkauf ihrer Gärtnerei wurde der Familie zugleich die Existenzgrundlage entzogen. Noch im gleichen Jahr, ab November 1939 erhielten Juden keine Reichskleidermarken mehr und am 19. des Monats schreibt Lisi in ihr Tagebuch: "Ich und auch Trudi und Arno dürfen nicht mehr zur Schule gehen." Ab dem 27. Mai 1940 musste der 50-jährige Friedrich Block dann harte Zwangsarbeit beim Gleisbau in Kempten verrichten, bei der er sich ein Rheumaleiden zuzog. Ein Jahr später, am 2. Mai 1941 begann für Elisabeth und ihre Schwester die Zwangsarbeit in der Landwirtschaft. Ein halbes Jahr später, ab dem 15. September 1941 mussten alle Juden den gelben Stern tragen und durften ihren Wohnort nicht mehr ohne Polizeierlaubnis verlassen. Lisi schreibt dazu in ihrem Tagebuch: "Leider können wir nun gar nicht mehr fortfahren und in unseren geliebten Bergen wandern." Und über den Zwang zum Tragen des Judensterns schreibt sie: "Welche Gehässigkeit und Boshaftigkeit!".

Und kurz darauf, am 19. Oktober 1941 äußert Lisi deutliche Ängste vor einer bevorstehenden Deportation der Eltern. Was wäre, wenn sie von der Arbeit nach Hause käme und "ein leeres Haus anträfe". Im März 1942 wurde die Familie schließlich tatsächlich abgeholt und in das Lager Piaski verbracht. Die 19 -jährige Lisi Block wurde mit ihrer Familie so wie 9000 anderen Juden aus Bayern ermordet.

Am 23. Februar dieses Jahres hätte Lisi Block ihren 90. Geburtstag feiern dürfen. Dieses Datum sollte zum Anlass genommen werden, um auf ganz besondere Weise ihres schrecklichen Schicksals zu gedenken. Ich möchte den Gedanken von Prof. Treml aufgreifen, den er im letzten November bei der Übergabe der Tagebücher an das Rosenheimer Stadtarchiv äußerte, nämlich die Rosenheimer Städtische Mädchenrealschule in Elisabeth-Block-Schule umzubenennen. Damit würde die Stadt Rosenheim ein deutliches Zeichen setzen. Durch kaum eine andere Maßnahme könnte die Erinnerung an Elisabeth Block, die diese Schule in der Nazizeit nicht mehr besuchen durfte, mehr am Leben gehalten werden. Ich bin mir sicher, dass diese Umbenennung breite Unterstützung erfahren würde.


Andreas Salomon 2.11.2012

Studiengebühren endlich abschaffen!

wer in die Bildung investiert, investiert in die Zukunft. Wer dies unterlässt, sollte sich nicht beklagen, wenn es später an qualifizierten Mitarbeitern mangelt. Zudem darf das Recht eines jeden Menschen auf umfassende Bildung nicht aus finanziellen Gründen eingeschränkt werden.

Studiengebühren von gut 500 Euro pro Semester (Halbjahr), wie es sie in dieser Form nur noch in Bayern und Niedersachsen gibt, hindern manche junge Menschen daran, ein Studium aufzunehmen bzw. es abzuschließen. Schon jetzt arbeiten mehr als zwei Drittel aller Studenten und Studentinnen nebenbei, um ihr Studium und ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können. Die zusätzliche Belastung durch die Studiengebühren drückt dann unsäglich.

Die Entscheidung des Bayerischen Verfassungsgerichtshofes, ein Volksbegehren gegen die Studiengebühren zuzulassen, ist ausgesprochen zu begrüßen. Der Rosenheimer Kreisverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft wird dieses Volksbegehren unterstützen.

Bildung muss gebührenfrei sein, und zwar von Anfang an. Das beginnt schon bei den Kindertagesstätten. Mit einem neuen Steuerkonzept, das auch den Vermögenden einen angemessenen Beitrag abverlangt, sind solche Forderungen auch finanzierbar. Im Grundgesetzt heißt es: "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen." (Art.14) und in der Bayerischen Verfassung steht: "Eigentum verpflichtet gegenüber der Gesamtheit." (Art.158).

Ich appelliere an die Verantwortlichen in der Politik, diese Grundsätze zur Richtschnur ihres Handelns zu machen.


Andreas Salomon 3.7.2011

Schafft die Hauptschule ab!

Die bayerische Regierung und speziell deren Bildungspolitiker beweisen immer wieder außerordentliches Talent, im bundesweiten Bildungszug den letzten Wagen zu besetzen und die rote Laterne zu schwenken. Dabei ist die Gefahr groß, auf irgendeinem Verschiebebahnhof abgehängt zu werden und die Orientierung völlig zu verlieren.

Nur Bayern hält noch, und man darf sagen verzweifelt, an der Hauptschule fest und versucht mit immer neuen Etiketten deren miserables Image aufzupolieren. Erst kamen die M-Klassen ("Mittlere-Reife-Klassen"), dann die "Hauptschulinitiative" und schließlich die "Mittelschulen". Alle diese Maßnahmen, die keine wirklichen Reformen waren, konnten nicht bewirken, dass die Hauptschulen immer mehr ausbluteten und das Vertrauen in diese Schulart wieder anstieg.

Den letzten beißen die Hunde, sagt ein bekanntes Sprichwort. Das schwächste der gejagten Tiere, um im Bilde zu bleiben, wird von den Hunden gestellt (und zerrissen). Diese Schicksal erleiden zur Zeit bundesweit die Hauptschulen, soweit es sie überhaupt noch gibt. Und dieses Schicksal erfahren auch die Hauptschüler beim Kampf um die Lehrstellen. Sie haben erfahrungsgemäß die größten Probleme, einen geeigneten Ausbildungsplatz zu finden und das gilt besonders für diejenigen, die keinen Quali schaffen.

Wenn davon ausgegangen werden darf, dass ausnahmslos jeder Mensch ein Recht auf umfassende Bildung hat, dann muss man ihm auch die gleichen Chancen einräumen. Es darf keine Auslese nach der 4. Klasse der Grundschule geben, weil jeder Mensch ein unterschiedliches Entwicklungstempo hat. Wenn man hier bereits Schüler der Hauptschule zuweist, bringt man sie um alle Bildungs- und damit späteren Berufschancen. Die Hauptschule ist leider zur Restschule, zur Schule der Übriggebliebenen geworden. Aus jahrzehntelanger Lehrerfahrung weiß ich, dass Schüler oft erst in höheren Jahrgangsstufen ihre wirklichen Potentiale zeigen und deshalb darf man sie nicht frühzeitig trennen, wie es das dreigliedrige Schulsystem leider tut.

Daher ist eine Abkehr von einem mehrstufigen Schulsystem das Gebot der Stunde. Alle Schüler sollten bis zur 10. Jahrgangsstufe zusammen unterrichtet werden. In ganz Deutschland hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass mit der Hauptschule kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist. Leider dauert es in Bayern wieder einmal ein paar Jahre länger.


Andreas Salomon 2.3.2011


Andreas Salomon 23.1.2011

Keine Erhöhung des Rentenbeitrages

Als Mitglied des Rosenheimer DGB-Kreisvorstandes muss ich mich doch sehr wundern, dass der DGB-Chef Sommer eine Erhöhung der Rentenbeiträge um 0,6 % fordert und damit sich dafür stark macht, dass die ohnehin durch die Maßnahmen der ehemaligen SPD-Regierung und der jetzigen Koalition schwer gebeutelten Arbeitnehmer noch mehr bluten sollen.

Recht hat Sommer natürlich, dass die Rente ab 67 weg muss, denn inzwischen hat sicher jeder gemerkt, dass diese völlig unrealistische Festlegung nur dazu dienen soll, die spätere Rente mächtig zu kürzen, da die meisten Arbeitnehmer bei früherem Renteneintritt mit erheblichen Abschlägen zu rechnen hätten. Aber wie kann man so dreist sein, den einen Griff in den Geldbeutel durch einen anderen ersetzen zu wollen und das dann auch noch als Fortschritt auszugeben. "Das wäre keine Zumutung", sagt Sommer zu seinem Vorschlag. Doch, Herr Sommer, das ist eine Zumutung und eine noch größere Zumutung ist es, dass als Sie als DGB-Chef einen derartigen Vorschlag unterbreiten. Die Gewerkschaften sind angehalten, sich der Ausplünderung der Arbeiter und Angestellten entgegenzustellen und nicht daran mitzuwirken.

Wenn die Rentenkassen gefüllt werden müssen, dann gäbe es doch ganz andere Möglichkeiten. So wäre es doch eher eine Überlegung wert, warum nicht die Selbstständigen endlich wie in Frankreich z.B. längst geschehen, dazu veranlasst werden, auch ihren Beitrag für die Solidargemeinschaft zu leisten, anstatt die Möglichkeit zu haben, sich privat abzusichern. Aber heilige Kühe schlachtet man offensichtlich nicht gern.


Andreas Salomon 19.1.2011

Alle Lehrer einstellen!

Immer wieder ruft die bayerische Bildungspolitik in der Bevölkerung Widerspruch hervorrufen, weil sie stets aufs Neue zeigt, dass sie nicht an den Bedürfnisse der Betroffenen ausgerichtet ist, sondern vom Diktat des Rotstiftes diktiert wird. Der neuerliche Offenbarungseid des Kultusministers Ludwig Spaenle (CSU) betrifft 750 erfolgreich ausgebildete Gymnasiallehrer, von denen "nur etwa jeder zweite Bewerber" eine Stelle bekommen wird. Derartige Meldungen wiederholen sich alljährlich.

Sie zeigen nicht nur die Unfähigkeit einer Planung auch nur über wenige Jahre, sondern erschrecken gleichzeitig, wie leichtfertig mit dem Schicksal junger Akademiker umgesprungen wird, die wesentliche Lebenszeit eingesetzt, viel Geld investiert und noch mehr Hoffnungen in sich getragen haben. Und an den Kopf fasst man sich, wenn man weiß, wie dringend diese jungen Lehrer an den Schulen gebraucht werden. Wir sehen doch die völlig überfüllten Schulklassen der Gymnasien, wir erleben den ständigen Unterrichtsausfall und wir wissen, dass junge, frische, tatendurstige Junglehrer manchen alternden Kollegien und auch der Schülerschaft ausgesprochen gut tun würden.

Es kann nicht sein, dass Burnout-Erkrankungen und notwendig gewordene Frühpensionierungen sich häufen, weil keine Entlastung in Sicht ist und andererseits junge Lehrer Taxi fahren müssen. Es sei mir auch erlaubt als Vater zweier studierender Kinder zu sprechen (eines davon Lehramt), was er bedeutet, wenn ich am Ende des Studiums und meines großen finanziellen Einsatzes feststellen müsste, dass alles umsonst gewesen wäre.

Und nicht zuletzt ist auch für jeden Steuerzahler der wirtschaftliche Aspekt einer derartigen Politik zu bedenken. Kann ein Land es sich wirklich leisten, hunderte von Abiturienten über viele Jahre hinweg zu Lehrern auszubilden und dann die Leistung nicht in Anspruch zu nehmen?

Ein Land, das an Bildung spart, spart an den Möglichkeiten der nächsten Generationen und spart damit an der Gestaltung seiner eigenen Zukunft. Das kann kein Volk seiner Regierung durchgehen lassen!


Andreas Salomon

"Eine Schule für alle!"

16 Bundesländer mit 16 verschiedenen Schulsystemen, das bedeutet hunderte verschiedene Lehrpläne und tausende unterschiedliche Lehrbücher. Macht das Sinn? Die Kleinstaaterei im deutschen Bildungswesen mahnt an vergangene Zeiten und ignoriert die Entwicklung hin zu einem vereinten Europa. 16 Kultusminister wahren ihre Pfründe und 16 gigantische Verwaltungsapparate verschlingen Millionen von Euro. Kann eine solche Gestaltung des Bildungswesens zukunftsweisend sein?

Zunächst erst einmal erschwert sie überall den Kampf um Reformen, um die in allen Bundesländern gekämpft wird. Die gewaltige Zersplitterung lähmt Bewegungs-möglichkeiten und lässt die Bildungssysteme nicht mehr ihren Aufgaben gerecht werden. Das sieht man jetzt in Hamburg, wo ein Elitedenken sich behaupten konnte.

Dort feiern die Vertreter eines ständischen Schulsystems vergangener Jahrhunderte ihren Sieg. Sie haben erreicht, dass das traditionelle Gymnasium unangefochten bleibt, indem der Übertritt auf weiterführende Schulen wie gehabt bereits nach der vierten. Klasse zu erfolgen hat. Eine ohnehin privilegierte Schicht grenzt sich also weiterhin nach unten ab und zementiert, dass die Mehrheit der Kinder sich als Verlierer wahrnehmen muss. Was aber in Hamburg Probleme bereitete und dort nur vorläufig vom Tisch sein wird, macht auch in Bayern Sorgen.

Der Übertritt nach der vierten Jahrgangsstufe widerspricht allen pädagogischen und psychologischen Erkenntnissen und Erfahrungen. Das Grundschulabitur muss im Interesse aller Betroffenen - Kinder wie Eltern - so schnell wie möglich abgeschafft werden. Das soziale Bildungsgefälle, das Ausdruck extremer Benachteiligung von Kindern aus Nicht-Akademiker-Haushalten ist, darf nicht festgeschrieben werden. Kinder von Immigranten erfahren nicht hinreichend Förderung.

Bayern ist nicht mit "heimlichen Schulrevolutionen" geholfen, die letztlich keine sind, sondern es benötigt eine grundsätzlich neue Weichenstellung, die sich daran orientiert, dass Chancengleichheit herrscht. Und diese ist nur gegeben, wenn für die Dauer der Pflichtschulzeit gemeinsam in einer Schule gelernt wird. Es muss der Mut aufgebracht werden, sich vom herkömmlichen dreigliedrigen Schulsystem des letzten Jahrhunderts endlich zu verabschieden. Es ist schon lange nicht mehr zeitgemäß!

Wollte Bayern wirklich bundesweit mit einer fortschrittlichen Bildungspolitik glänzen, dann sollte es diesen Weg beschreiten und außerdem Initiativen starten, dass die Vielstaaterei im Bildungswesen ein Ende findet und die Erkenntnis sich durchsetzt, dass "Eine Schule für alle!" der schulpolitische Weg der Zukunft sein wird.


Vor kurzem regte Prof. Dr. Klaus Weber eine Gedenktafel für die Kolbermoorer Zwangsarbeiter an. Darauf erschien am 13. März ein Leserbrief, der dies ablehnte.

GEW Vorstandsmitglied Andreas Salomon formulierte daraufhin folgenden Leserbrief:

Das Schicksal der Kolbermoorer Zwangsarbeiter nicht vergessen!

Nichts erinnert im Ortsbild Kolbermoors mehr daran, dass hier einmal fast 1000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, ausgemergelt und verachtet unter elenden Verhältnissen leben und arbeiten mussten. Nirgends findet man ein Zeichen, einen Hinweis oder gar eine Gedenktafel.

Von der ehemaligen Kolbermoorer Zwangsarbeiterin Pawlina Mironowa konnte ich einiges über ihr damaliges Leben erfahren.

1942 überfiel die SS die sowjetische Stadt Stavropol und verschleppte zahlreiche junge Frauen nach Deutschland. Mit neun weiteren russischen Frauen kam die 19-jährige Pawlina nach Kolbermoor zur Arbeit in der Baumwollspinnerei. Später musste sie unter hohem Zeitdruck in der Gasmaskenfabrik Roeckl täglich 220 Gasmasken fertigten, was nie zu schaffen war.

In Baracken an der Mangfall mussten 450 Zwangsarbeiterinnen hausen. Auf einem aus rohen Brettern gearbeiteten Stockbett, so erzählt Frau Gerner, wie sie heute heißt, sei ihr eine Lagerstatt zugewiesen worden. Sie habe sich einen Strohsack als Matratze füllen müssen und zwei dünne Decken bekommen. Im Winter sei es bitterkalt gewesen, da kein Heizmaterial für die Öfen dagewesen sei. Man habe so gefroren, dass man sich zu zweit in ein Bett gelegt habe. Hunger sei ihr ständiger Begleiter gewesen. "Morgens gab es Tee und eine Scheibe Brot, abends einen Teller Steckrübensuppe. Das war alles." Für die 450 Frauen standen auch nur zwei Toiletten zur Verfügung.

Waschmöglichkeiten waren nicht vorhanden. In der Spinnerei hat man sich in einem großen Kessel schnell das Gesicht und die Hände gewaschen. Als Kleidung trug man ständig das, was man am Leibe gehabt hatte, als man verschleppt wurde. Kontakt zur Kolbermoorer Bevölkerung gab es nicht. "Wir wurden morgens von der Baracke direkt zur Spinnerei geführt und abends wieder zurück." 75 - 80 Stunden in der Woche wurde gearbeitet - ohne Lohn natürlich. Das Barackengelände durfte nie verlassen werden, auch am Wochenende nicht.

Dieses Kapitel der Zwangsarbeit von fast 1000 Menschen gehört auch mit zu unserer Stadtgeschichte. Was diesen Menschen Schreckliches angetan wurde, lässt sich nicht ungeschehen machen. Aber was möglich und sinnvoll ist, wäre sie zu ehren, indem man im Spinnereigelände eine Gedenktafel errichtet, die erinnert und mahnt, dass so etwas nie wieder geschehen darf.