KZ-Außenlager Mühldorf


Besuch des KZ-Außenlagers in Mühldorf

am 23.6.2007

Pressebericht von Lothar Walter

GEW - Fahrt zum Bunkergelände

Unterirdische Fabrikhallen, überwölbt mit meterdicken, bombensicheren Betondecken, versteckt im Wald, wo Tausende KZ-Häftlinge für Hitlers Endsieg - Rüstungsprogramm litten und starben - dorthin führte die diesjährige Exkursion des Kreisverbandes Rosenheim der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Von Reiner Schober, stellvertretender Kreisvorsitzender, gut vorbereitet, trafen sich fünfzehn, mit Fahrrad und Proviant ausgerüstete GEWler am Mühldorfer Gleis des Bahnhofs Rosenheim. Ziel der Exkursionsteilnehmer war der Mühldorfer Hart, wo sich auf dem weitläufigen Gelände Reste des Außenlagers des Konzentrationslagers Dachau befinden. Am Zielort wurden die Gewerkschafter von Peter Müller, Gymnasiallehrer und Initiator des Gedenkvereins, empfangen und zu den verschiedenen Stationen im Wald: Massengrab, Sommerlager, Winter-lager und Bunker, geleitet. Peter Müller hat vor 26 Jahren erstmals die Geschichte des Mühldorfer Harts an die Öffentlichkeit gebracht und entscheidend dazu beigetragen, dass dieser Ort des Grauens dem Vergessen entrissen und zu einer vorläufigen Gedenkstätte hergerichtet wurde.

Als im Verlauf des 2. Weltkrieges die Allierten immer mehr die Rüstungsbetriebe bombardierten, sollte die Produktion des als kriegsentscheidend angesehenen Düsenflugzeugs Me262 auf mehrere verbunkerte Betriebe, unter anderem in die Nähe Mühldorfs, verlagert werden. Ab Sommer 1944 wurden neben Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen über 8 000 KZ-Häftlinge aus Dachau und Auschwitz herantransportiert, um hier eine riesige, 400 Meter lange, halb unterirdische Fabrik zu errichten, in der Flugzeugmotoren hergestellt werden sollten. Diese Anlage wurde jedoch nicht mehr fertiggestellt. Am 2. Mai 1945 befreiten die Amerikaner das Lager. Die unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen in diesem Außenlager Dachaus forderten innerhalb der acht Monate ihres Bestehens ca. 4000 Opfer, vorwiegend Juden aus Ungarn. Fast jeder zweite Häftling überlebte das Lager nicht. Nach dem Krieg wurden sechs von sieben Bunkern gesprengt - ein riesiges Betongewölbe blieb als beeindruckendes Mahnmal erhalten.

Die GEW Rosenheim besucht seit einigen Jahren Orte des Erinnerns an die Nazi-Herrschaft und des Widerstands. Dies sei, so Kreisvorsitzender Andreas Salomon, als Hilfe für engagierte Lehrer und Lehrerinnen gedacht, um mit Schulklassen sinnvolle Ausflugsziele zu besuchen.